Anfechtung datengetrieben: Werthaltige Ansprüche systematisch identifizieren
Die Insolvenzanfechtung nach den §§ 129 ff. InsO ist häufig die ergiebigste und zugleich am schlechtesten ausgeschöpfte Massequelle. Der Grund ist selten rechtlicher, sondern fast immer analytischer Natur.
Anfechtbar sind Rechtshandlungen, die die Gläubiger benachteiligen und in den kritischen Zeiträumen vor Antragstellung vorgenommen wurden. Die Tatbestände reichen von der kongruenten Deckung über die inkongruente Deckung bis zur vorsätzlichen Benachteiligung mit ihren teils mehrjährigen Anfechtungsfristen.
Das Problem ist die Datenmenge
Ein mittelständisches Verfahren umfasst schnell mehrere zehntausend Zahlungsvorgänge im relevanten Zeitraum. Sie alle manuell auf Anfechtungstatbestände zu prüfen, ist wirtschaftlich nicht darstellbar. In der Folge bleibt die Anfechtung auf die offensichtlichen Fälle beschränkt, und ein erheblicher Teil der Masse bleibt ungehoben.
Anfechtung ist kein Glücksspiel. Sie ist ein Sortierproblem, und Sortierprobleme sind lösbar.
Von der Vollständigkeit zur Priorisierung
Eine datengetriebene Vorprüfung verschiebt den Engpass. Statt zu entscheiden, welche Vorgänge überhaupt geprüft werden, kann der Verwalter entscheiden, welche zuerst geltend gemacht werden. Die Analyse liefert die vollständige Grundgesamtheit; die fachliche Bewertung konzentriert sich auf die werthaltigen und durchsetzbaren Ansprüche.
Das Ergebnis ist doppelt: eine höhere realisierbare Anfechtungsmasse und eine sauber dokumentierte Herleitung, die im Streitfall vor Gericht trägt. Beides entsteht nicht durch mehr juristische Tiefe, sondern durch eine bessere analytische Vorarbeit.
Die Anfechtung ist dort am wirksamsten, wo die Analyse vollständig und die Geltendmachung priorisiert ist. Datengetriebene Vorarbeit macht aus einer verborgenen Masseposition eine planbare.